Zülfü Livaneli – Der Eunuch von Konstantinopel
„Ich hörte Schritte in Richtung Harem eilen, den ja niemand ausser mir betreten durfte, und so versteckte ich mich hinter einer Marmorsäule, um zu beobachten, was sich ereignete.“
Als Junge aus Afrika verschleppt, kastriert und an den Sultanspalast verkauft, erlangt Habesch Aga den Status des Obersten Eunuchen und führt so die Aufsicht über den Harem des grossherrlichen Padischahs.
Obwohl seiner Männlichkeit beraubt, ist er der Schönheit und dem süssen Duft der Haremsdamen verfallen und erzählt dem Leser Geschichten über innige Liebe, Wolllust und Intrigen, welche sich im Harem abspielen.
Doch eines Tages gerät sein Leben aus den Fugen. Sein geliebter Padischah, dem er sich selbstaufgebend und mit höchster Leidenschaft unterwirft, wird im Harem eingemauert und wartet nun auf seine Hinrichtung. Einzig der treue Eunuch versucht, den zu Fall gebrachten Herrscher wieder an die Macht zu bringen.
Wer sich für einen historischen Roman über das Osmanische Reich interessiert und sich mit den Grausamkeiten eines machthungrigen Herrschers auseinander setzen möchte, findet in diesem Roman genau das, was er oder sie sucht.
Der Roman greift ins 17. Jahrhundert zurück, als ein ebenso machthungriger Sultan an der Macht war und das ganze Land in Angst und Schrecken hüllte. Ebenso ist dieser Roman eine Parabel, die zeigt, dass das ganze Machtsystem nur funktioniert, weil die Leute die Gegebenheiten schlichtweg hinnehmen und nicht hinterfragen.
Ein spannender Roman, der neben politische Machtverhältnisse auch verführerische Details des Harems preis gibt. Zülfü Livaneli hat auf alle Fälle einen aufregenden und lesenswerten Roman geschaffen, welchen man so schnell nicht vergisst.
Fabiola Costanzo |