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Bildungsreise 2007 3SZ Istanbul

Ahmet Altan:
Der Duft des Paradieses


Ishan Oktay Anar:
Der Atlas unsichtbarer Kontinente


Leyla Erbil:
Eine seltsame Frau


Nedim Gürsel:
Der Eroberer


Yasar Kemal:
Zorn des Meeres


Yasar Kemal:
Auch die Vögel sind fort


Zülfü Livaneli:
Der Eunuch von Konstantinopel


Barbara Nadel:
Der gläserne Käfig


Aziz Nesin:
Sûrname, Man bittet zum Galgen


Emine Sevgi Özdamar:
Die Brücke vom goldenen Horn


Demir Özlü:
Der Beginn einer Liebe


Orhan Pamuk:
Das schwarze Buch


Elif Shafak:
Spiegel der Stadt


Latif Tekin:
Der Honigberg


Ahmet Ümit:
Nacht und Nebel

Yasar Kemal: Auch die Vögel sind fort

 

„In der Ebene von Florya , wo früher unzählige Veilchen blühten, wurden diese hässlichen Wohnhäuser aus Beton aufgetürmt. Für die Vögel blieb nur noch der kleine Raum zwischen dem Meer und dem Wald, zwischen Menekşe und Basinköy, und sie kommen Jahr für Jahr und suchen in den letzten Karden Nahrung und Schutz. Als wären es Goldminen, hat in Istanbul der Sturm auf das Land begonnen. In einem Jahr schon wirst du nicht ohne Übelkeit dorthin blicken können, wo jetzt noch die kupferfarbenen Karden sehen; hässliche Apartmenthäuser und Villen werden an ihrer Stelle wachsen.“

 

 

Seit es die Ebene von Florya gibt, seit dem osmanischen Reich, kommen und gehen die Schwärme der bunten und winzigen Vögel. Das Zelt dreier Gassenjungen namens Hayri, Süleyman und Semih schmücken die Ebene von Florya, welche von Karden bewachsen ist.

Die drei Jungen fangen mit Netzen, die sie bei den Fischern gestohlen haben, diese daumengrossen Vögel und sperren sie danach in einen Käfig, wo sie zusammengepfercht ihrer Bestimmung harren. Auf diese Weise soll das Mitleid der Menschen geweckt werden, damit sie die Vögel kaufen. Doch die Menschlichkeit scheint verloren gegangen zu sein. Autos, Neonröhren und Blue Jeans schwirren in den Köpfen der der Leute, die kein Herz fassen für die Kinder. Vor den Moscheen, Synagogen und Kirchen versuchen sie mit letzter Kraft die Aufmerksamkeit der Menschen zu wecken. Leider ernten sie nur Spott. Auch Mahmut, der den Jungen helfen will und früher selbst ein erfolgreicher Vogelfänger war, beginnt die Hoffnung allmählich zu verlieren. Niemand möchte die Vögel kaufen, um nach altem Brauch ein Gebet zu sprechen und sie danach mit Freude davonfliegen zu lassen. Religion, Glaube, Allah, Mitleid und das heilige Buch bedeutet den Leuten nichts mehr.

Der Autor Yaşar Kemal will aufzeigen, wie der Stadtmoloch Istanbul Leben zerstört: Die drei Jungs werden in der Kriminalität enden und auch die Vögel werden bald nicht mehr kommen. Bereits ist die Ebene von Florya ausgesteckt für die protzigen Villen der neureichen Städter.

Nadja Büchel

 
 
 
 
 
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