Ahmet Altan: Der Duft des Paradieses
Ishan Oktay Anar: Der Atlas unsichtbarer Kontinente
Leyla Erbil: Eine seltsame Frau
Nedim Gürsel: Der Eroberer
Yasar Kemal: Zorn des Meeres
Yasar Kemal: Auch die Vögel sind fort
Zülfü Livaneli: Der Eunuch von Konstantinopel
Barbara Nadel: Der gläserne Käfig
Aziz Nesin: Sûrname, Man bittet zum Galgen
Emine Sevgi Özdamar: Die Brücke vom goldenen Horn
Demir Özlü: Der Beginn einer Liebe
Orhan Pamuk: Das schwarze Buch
Elif Shafak: Spiegel der Stadt
Latif Tekin: Der Honigberg
Ahmet Ümit: Nacht und Nebel
| | Orhan Pamuk: Das schwarze Buch
„Ich schien zu erkennen, dass du mich auch dann lieben könntest, wenn ich nicht ein anderer wurde, ich schien zu verstehen, dass ich mich selbst so nehmen musste, wie ich war, mit der gleichen Resignation, wie ich mein Passbild betrachtete; ich schien die Nutzlosigkeit des Krampfhaften Strebens nach dem Ein-anderer-Werden zu begreifen – vielleicht in einem Traum, vielleicht in einer Geschichte.“
Einsam durch die Strassen ziehend lässt Orhan Pamuk seinen Erzähler und mit ihm den Leser Istanbul erkunden. Die zwischen Okzident und Orient, zwischen Westen und Osten, Tradition und Moderne zerrissene Stadt ist zugleich Schauplatz, als auch der eigentliche Protagonist des Romans. Erlebt wird all dies durch Galip, einem jungen Istanbuler Anwalt, verlassen von seiner Freundin und erstmals auf Erkundungstour in seiner eigenen Stadt. Auf der Suche nach seiner Freundin Rüya und seinem Freund Celal, einem Schriftsteller und Kolumnenschreiber, welcher am gleichen Tag wie Rüya spurlos verschwunden ist, begibt er sich auf Spurensuche. Im Laufe der Geschichte verwandelt sich die Spurensuche in eine Suche nach dem eigenen Ich. Die eigene Identität wird zum Ziel, die Suche nach den Freuden zum Vorwand. Unter Berücksichtigung von vermeintlichen Hinweisen in Celals Kolumnen begibt sich Galip immer stärker in einen eigentlichen Untergrund Istanbuls, begegnet dort skurrilen Figuren und osmanischen Schaufensterpuppen. In Anekdoten und Episoden wird der Graben zwischen Ost und West, der verlorenen Identität und die Suche nach sich selbst vorgeführt. So kommt Orhan Pamuk zur Hauptaussage seines Buches. Der rote Faden des Buches, der Kriminalroman um das rätselhafte Verschwinden zweier Personen, tritt in den Hintergrund. Das Buch wird zu einer Problembewältigung Istanbuls, aber auch zu einer Hommage an die Stadt. In manchmal kompliziert scheinenden, schwer zugänglichen Stil gibt Pamuk ein detailliertes Bild der Istanbuler Gesellschaft. Manchmal etwas langatmig, wohl aber immer zutreffend und mit einem klaren Blick für Details.
Cédric Häner | |