Elif Shafak, Spiegel der Stadt
„Da also verstand Miguel Pereira, mit neuem Namen Isak Pereira, wie einsam Haham Yakup war. ‚Sieh an!’, dachte er, ‚ich bin ein Sohn ohne Vater, und er ist ein Vater ohne Sohn. Wie merkwürdig, dass wir uns ausgerechnet hier gefunden haben. Hier in der Stadt der Spiegel.“
Der Roman „Spiegel der Stadt“ spiegelt die Welt der drei grossen Religionen Judentum, Christentum und Islam wider, der daraus entstandenen Kulturen und Ansichten.
Der historische Hintergrund bildet die tragische Geschichte der Sephardim, spanische oder portugiesische Juden, welche vor der Inquisition flüchten mussten. Solche Sephardim sind Miguel Pereira und seine Familie, die von der Inquisition heimgesucht werden. Miguel kann sich im letzten Augenblick in die Stadt der Spiegel, Istanbul, retten. Istanbul eine Stadt geprägt von allen drei Kulturen und daher die Stadt der Spiegel, welche Miguel in ein jüdisches Viertel aufnimmt und ihn zwingt sich zu fragen wer er ist.
Aber auch die Liebe spielt eine wichtige Rolle. Miguel liebt seine Schwägerin Isabel, die selbst nicht lieben kann. Ihr Mann, Miguels Bruder Antonio liebt seine Arbeit, ihre neidische Nachbarin und Christin Elena ihren gestorbenen Sohn und Alfonso, der allmächtige Führer der Inquisition, liebt seine Stimme.
Aus diesen Verwirrungen der Liebe entwickelt sich die Tragödie, in der sich die osmanische Geschichte, die des Judentums und der Mystik spiegeln. Der Brennpunkt ist Istanbul.
„Spiegel der Stadt“ ist ein Buch, das mosaikartig aufgebaut ist. Die durchgehende Botschaft ist, dass die Vergangenheit fest verknüpft ist mit der Gegenwart und der Zukunft. Ohne Vergangenheit keine Zukunft, ohne Hässlichkeit keine Schönheit und ohne Leid keine Freude. Das Buch ist verwickelt in Gegensätzen, was ihm einen Spannungsbogen gibt.
Elif Shafak, eine Türkin, die nicht in der Türkei aufwuchs, betrachtet so die Situation der Türkei und der kulturellen unterschiede mit einem Blick von aussen. Sarah Lindenberger |