Kopf was
WO sind wir WER sind wir WAS tun wir WANN tun wir's
 Projekte / Lager
 Maturaarbeiten
 Maturprüfungen
 Fachschaften
 Theater
 Sport
 Mediothek
 OA11-BL
 Alte Website
Alte Website
  Home
 
gymlaufen.ch > was > Projekte / Lager > Bildungsreise 2007 3SZ Istanbul

Bildungsreise 2007 3SZ Istanbul

Ahmet Altan:
Der Duft des Paradieses


Ishan Oktay Anar:
Der Atlas unsichtbarer Kontinente


Leyla Erbil:
Eine seltsame Frau


Nedim Gürsel:
Der Eroberer


Yasar Kemal:
Zorn des Meeres


Yasar Kemal:
Auch die Vögel sind fort


Zülfü Livaneli:
Der Eunuch von Konstantinopel


Barbara Nadel:
Der gläserne Käfig


Aziz Nesin:
Sûrname, Man bittet zum Galgen


Emine Sevgi Özdamar:
Die Brücke vom goldenen Horn


Demir Özlü:
Der Beginn einer Liebe


Orhan Pamuk:
Das schwarze Buch


Elif Shafak:
Spiegel der Stadt


Latif Tekin:
Der Honigberg


Ahmet Ümit:
Nacht und Nebel

„Je nachdem, wie man sie betrachtet, kommt einem die Stadt einmal zu östlich, dann wieder zu westlich vor und vermittelt einem damit das Gefühl, nicht ganz dazuzugehören.“

Die Floskel von Istanbul als Schnittpunkt von Ost und West fiel schon ganz am Anfang, als Thema und Ort der Bildungsreise noch nicht feststanden. Die „verschleierten Frauen, die geheimnisvolle Atmosphäre der Stadt, die Fahrten auf dem Bosporus, die anmutige Stadtsilhouette“, all die Orientklischees mochten schliesslich den Ausschlag für Istanbul gegeben haben. Und damit das Thema: Gemeinsam las die Klasse Beschreibungen einiger französischer Reiseschriftsteller, die diese „Elemente aus dem immer gleichen Themenkreis“ über die Jahrhunderte gepflegt haben, gemeinsam auch las sie im Roman ‚Istanbul’ des Literaturnobelpreisträgers Orhan Pamuk, der beschreibt, wie auch die Bewohner Istanbuls ihre Stadt „immer wieder mit den Augen eines Fremden sehen“ und auch ihnen dadurch  die „eigene Vergangenheit ‚exotisch’“  erscheint. Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Weltreichs nämlich hat die Republik Atatürks bewusst alle Traditionen zugunsten einer radikalen Verwestlichung gekappt, was nach Pamuk zur Folge hat, dass die meisten Istanbuler ohne viel darüber zu wissen „ganz einfach mitten unter“ den „Geschichtsdenkmälern“ leben, die ihre Stadt so reizvoll  machen. Um sich klar zu werden, wer er ist und woher er kommt, hat Pamuk seine private Lösung gefunden: Er hat literarische Werke zu Istanbul gelesen, bis er sich „schliesslich Istanbul ohne diese Autoren gar nicht mehr vorstellen konnte“.

Im bescheideneren Rahmen haben wir etwas Ähnliches gemacht: Jede Schülerin und jeder Schüler hat noch im Vorfeld unseres Aufenthaltes  zusätzlich einen Roman gelesen, der in Istanbul spielt, und hat dabei weitere Facetten dieses Identitätsproblems kennen gelernt. Die gerade jetzt wieder aktuelle Debatte um Zugehörigkeit zu Europa oder zum islamischen Kulturkreis wird von diesen modernen Autoren oft mit historischen Romanen oder Kriminalromanen aufgenommen. Dabei erscheinen typischerweise immer wieder die  Metaphern der unsicheren Identität: Spiegelbilder, Doppelgänger, Traumvisionen, Parallelwelten, daneben aber auch das Bild der Brücke, die sicher verbindet. Besonders erwähnt seien hier die Frauen unter den Autoren: Diese Schriftstellerinnen  schildern eindrücklich und überraschend frech die Zerreissprobe, der die Frauen ausgesetzt sind, die modernen und traditionellen Mustern gerecht werden müssen, und das oft schon zu einer Zeit, als bei uns ausser Ingeborg Bachmann kaum eine weibliche Stimme solches thematisierte.  Und ebenfalls unbedingt lesenswert sind schliesslich die Romane, die diesen seelischen Zwiespalt als Zusammenstoss der modernen 14-Millionenstadt Istanbul mit den althergebrachten Lebensformen an ihren Rändern beschreiben, wie dies der Altmeister der türkischen Literatur, Yasar Kemal, mit seiner suggestiven Technik tut.

Einmal in Istanbul angekommen, haben wir erst das Nacheinander und Nebeneinander von Römisch, Byzantinisch, Griechisch-orthodox und Muslimisch, Osmanisch und Türkisch, Konsum und Religion, West und Ost uns angesehen, im Alltags und anhand der  „Geschichtsdenkmäler“, von der berühmten Stadtmauer der ‚Roma Nova’, über die vormals grösste Kirche der Welt, der Hagia Sophia,  zum Prestigebau der Süleyman-Moschee  oder den nominellen Zentrum der orthodoxen Kirchen, dem Patriarchat von Konstantinopel . Anschliessend machten sich die Schülerinnen und Schüler in Gruppen auf, um für jeden gelesenen Roman einem selbstgewählten, möglichst zentralen Schauplatz aufzusuchen und den zu fotografieren. Zu dem entstandenen Bild verfassten sie dann eine literarische Besprechung ihres Buches, was alles im Folgenden als Resultat dieser Bildungsreise präsentiert wird. Wenn diese Besprechungen neugierig auf eine eigene Lektüre machen sollten und man ihnen gelegentlich sogar die persönliche Begegnung mit Istanbul noch anmerkt, so ist das Ziel unserer Bildungsreise erreicht.

(Alle Zitate stammen aus:  Orhan Pamuk: Istanbul, Erinnerungen an eine Stadt.)
 
 
 
WO sind wir? WER sind wir? WAS tun wir? WANN findet es statt? Startseite Gymi